Ligne d`Or - Die goldene Linie

Ich nenne es die Linie,
weil ich gemerkt habe:
Es gibt Dinge, die laufen durch ein Leben wie ein Faden.
Und manchmal begreift man erst rückblickend,
was dieser Faden eigentlich war.

Diese Linie ist für mich Herkunft.
Nicht nur als Wort.
Sondern als Gefühl.

Etwas, das in mir gearbeitet hat,
lange bevor ich wusste, wonach ich suche.
Und etwas, das plötzlich da ist,
wenn man nicht mehr ausweichen kann.

Ich habe begonnen, diese Linien zu erforschen,
ohne zu wissen, wohin sie führen würden.
Und ohne zu ahnen,
in welcher Reihenfolge sie sich zeigen wollten.

Begonnen habe ich mit der väterlichen Linie.
Sie führte ins französische Elsass.
Zu einer Herkunft,
die sich fast selbstverständlich geöffnet hat.
Klar.
Zugänglich.
Wie eine Tür, die nicht verschlossen ist.

Die mütterliche Linie war gleichzeitig da.
Aber sie war nicht berührbar.
Noch nicht.

In dieser Werkgruppe geht es um Rückverbindung.
Um Würde.
Um Erinnerung.
Und um das, was wir weitertragen –
auch wenn niemand darüber spricht.

Gold ist hier nicht Dekoration.
Es ist ein Zeichen.
Eine Markierung.
So, wie man in einem alten Buch
eine Stelle findet,
die man nie wieder verlieren will.

Der Ursprung dieser Linie ist persönlich.
Er begann 2025. Ein Jahr, das ich so niemals vergessen werde.

 

2025

Es begann still im Januar.
Keine großen Pläne.
Eher eine Verdichtung der Dinge,
die ich zuvor begonnen hatte.
Serien, die ihren Weg nach außen suchten.

Dann im Februar eine große Wendung.
Was eigentlich als kurzer Geburtstagstrip geplant war,
entpuppte sich als Rückverbindung.
Eine Reunion mit meinen Wurzeln.

Ich stand auf dem Berg
und spürte zum allerersten Mal,
was meine Mutter verloren hatte.

Es wurde eine Reise,
die ich sehr gerne mit meiner Mutter gemacht hätte,
zu der sie aber nie die Kraft fand.

Ich glaube, es war ein Schlüsselerlebnis für sie
und auch für mich,
weil wir beide wussten:
Es ist jetzt alles gut.
Wir können loslassen.

Ich habe sie immer teilnehmen lassen.
Auch in ihrer schweren Zeit.
Es war mir wichtig,
meine Mutter mitzunehmen
mit allem, was ich erlebt habe.

Sie teilhaben zu lassen
an meinen Erfahrungen.
An meinen Erlebnissen.

Die ganze Zeit.

Wie glücklich war sie,
als sie meinen neuen, roten Flitzer gesehen hat.
Das letzte Foto von ihr,
bevor sie sich auf den Weg machte.

Der Sommer war fordernd.
Niemand wusste,
welchen Weg wir vor uns haben würden.
Wie lange es dauern würde.

Ich war zerrissen
zwischen Fürsorge
und dem Wunsch,
meiner Familie gerecht zu werden.

Ein paar unbeschwerte Tage sollten es sein.
Eine einzelne Stunde
hatte so viel Kraft.

Das Schicksal schenkte uns danach
noch ein paar wundervolle Tage.
Tage des Abschieds,
die zauberhafter
nicht hätten sein können.

Dann der Moment,
der alles verändert.
Nicht einschätzbar.
Verändert auf einer Ebene,
die nicht vorhersehbar ist.

Im September
musste ich meine Principessa verabschieden.

Erst danach
konnte ich die mütterliche Linie
wirklich berühren.

Nicht im Leben.
Sondern im Loslassen.

Mit meiner Kunst
schaffe ich eine Verbindung.

Der September ist der Rose gewidmet.


Im Oktober beginnt mein ältester Sohn
sein eigenes Leben.
Mein jüngster Sohn wird 18.

Und mittendrin
habe ich den schwersten Gang vor mir,
den ich mir jemals
hätte vorstellen können.

Und genau dieser Tag
war für mich nicht schwer,
sondern leicht.
Ich fühlte mich getragen.
Zumindest an diesem Tag.

Nach dieser Reise
zu den Wurzeln meiner Mutter
hat sich eine neue Kunst bei mir gemeldet.

Eine Kunst,
die eine Rückverbindung ist.
Zu meinen Wurzeln.
Zu meiner Herkunft.
Zu meiner Familie.
Und zur Würde,
die auf dem Weg verloren gegangen ist.

2025 neigt sich dem Ende.
Und die Linie, die ich begonnen habe,
werde ich 2026 weiterführen.

Diese Linie ist aus Klarheit entstanden.

Mein fehlendes Puzzleteil
war meine Herkunft
seitens meiner Mutter.

Und das hat
eine ganz andere Kunst
hervorgebracht.

Diese Werke sind nicht dafür da,
etwas zu erklären.
Sie sind dafür da,
etwas zu erinnern.

Und vielleicht ist das das Entscheidende:
Dass es beim Betrachten
nicht um meine Geschichte geht.
Sondern um diesen Moment,
in dem jemand spürt:
Da ist auch in mir eine Linie.
Und ich darf ihr folgen.

Die väterliche Linie
wird sich weiter zeigen.
In anderer Form.
In anderer Verdichtung.
Mit einer anderen Ruhe.

Nicht alles kommt gleichzeitig.
Manches kommt,
wenn die Zeit reif ist.

Und genau so entsteht diese Werkgruppe:
Schritt für Schritt.
Mit Klarheit.
Mit Würde.
Und mit dem Gold,
das nicht laut ist –
aber bleibt.