(English version below)
Künstlerische Entwicklung und Werkserien
Andrea Ramsels künstlerische Arbeit entwickelte sich aus einer sehr persönlichen Motivation heraus: dem Wunsch, Schönheit festzuhalten und besondere Momente des Lebens sichtbar zu machen. Als sie 1999 begann, sich intensiv mit der Malerei zu beschäftigen, stand zunächst der Versuch im Vordergrund, die Welt um sich herum – und insbesondere die frühe Zeit mit ihrem kleinen Sohn – bildnerisch zu bewahren. Das erste Gemälde dieser Phase war ein Porträt ihres Brautstraußes, der aus Baccararosen bestand. Schon hier zeigt sich ein Motiv, das ihre Arbeit bis heute begleitet: die Verbindung von Erinnerung, Emotion und symbolischer Bildsprache.
Ein prägendes Erlebnis war ein Aufenthalt in Spanien im Jahr 2002. Dort begegnete Ramsel einem Gemälde, das sie tief berührte. In diesem Bild erkannte sie eine narrative Qualität, die sie sofort anzog – eine Geschichte, die sich innerhalb eines einzigen Bildraums entfaltet. Sie fotografierte das Werk und begann nach ihrer Rückkehr, es in einer eigenen Version zu malen, obwohl das Motiv ihre damaligen technischen Möglichkeiten weit überstieg. Diese Erfahrung war ein erster Hinweis darauf, dass sie sich besonders zu narrativen Bildwelten hingezogen fühlte.
In den folgenden Jahren arbeitete sie überwiegend autodidaktisch und vertiefte ihre Fähigkeiten kontinuierlich. Einen entscheidenden Einschnitt markierte das Jahr 2010, als ihr Vater schwer erkrankte. Die Erfahrung der plötzlichen Endlichkeit des Lebens führte dazu, dass Ramsel ihre künstlerische Arbeit neu bewertete. Die Malerei wurde für sie zu einem zentralen Ausdrucksmittel persönlicher Fragen und innerer Entwicklungen.
2015 entstanden mehrere Arbeiten, die diese biografische Dimension besonders deutlich zeigen. Das Gemälde „Die letzte Rose“ – eine Darstellung der Rose, die sie für ihren Vater geschnitten hatte und die ihn auf seinem letzten Weg begleitete – erhielt seinen Titel erst im Nachhinein, als sich die emotionale Bedeutung des Motivs vollständig erschloss. In engem zeitlichen Zusammenhang entstand auch die „Weiße Rose“, inspiriert von einem Gedicht von Rainer Maria Rilke, sowie eine großformatige orangefarbene Rose, die Ramsel zum 80. Geburtstag ihrer Mutter malte.
Im selben Jahr entstand außerdem eine Magnolie auf Goldgrund – das erste Werk, in dem sie vollständig mit Blattgold arbeitete. Dieses Bild markiert einen frühen Schritt hin zu jener symbolischen und materialbezogenen Bildsprache, die später für ihre Werkserie Ligne d’Or charakteristisch werden sollte.
2016 entstand mit der Darstellung der Marienkapelle auf dem Friedhof, auf dem ihr Vater beerdigt ist, ein weiteres Werk, das persönliche Erinnerung und spirituelle Symbolik verbindet. Parallel dazu beschäftigte sich Ramsel intensiv mit einem entwicklungspsychologischen Modell menschlicher Wert- und Bewusstseinsentwicklung, das auf den Arbeiten des Psychologen Clare W. Graves basiert und später unter dem Namen Spiral Dynamics weiterentwickelt wurde. Die Auseinandersetzung mit diesen Ideen über Entwicklungsstufen, Werte und innere Wachstumsprozesse beeinflusste ihre künstlerische Reflexion stark und fand Ausdruck in einer Reihe abstrakter angelegter Streifenbilder, in denen zyklische Veränderungen und Entwicklungsphasen thematisiert wurden.
In dieser Zeit begann Ramsel außerdem, ihre malerischen Fähigkeiten systematisch zu vertiefen. Studienprogramme an der Web Art Academy in London ermöglichten ihr eine intensive Auseinandersetzung mit klassischer Ölmalerei, Studien nach den Alten Meistern sowie klassischem Zeichnen. Erst durch diese technische Vertiefung war sie in der Lage, Werke wie das Porträt des Renaissance-Zeitgenossen Florenz von Venningen oder ihr eigenes Selbstporträt malerisch umzusetzen.
Der Tod ihres Vaters führte schließlich zu einer weiteren inhaltlichen Verschiebung ihrer Arbeit. In einer Phase intensiver Wertearbeit fragte Ramsel, welche Elemente sie besonders stark mit ihrem Vater verband. Eine zentrale Rolle spielte dabei die gemeinsame Liebe zur Natur. Daraus entstand ein erstes Artenschutzprojekt, im Rahmen dessen sie eine internationale Artenschutzorganisation unterstützte, die sich für den Schutz von Pinguinen engagiert. Dieses Projekt verband erstmals ihr künstlerisches Schaffen mit einem konkreten Beitrag zum Erhalt bedrohter Tierarten.
Aus dieser Auseinandersetzung entwickelte sich schließlich auch die Bildwelt der Schmetterlinge, die für Ramsel zu einem Symbol individueller Entwicklung wurde. In ihren Schmetterlingsbildern steht nicht nur die Metamorphose im biologischen Sinne im Vordergrund, sondern auch die Idee, dass jeder Mensch seine eigene Form von Schönheit und Entfaltung besitzt. Diese Arbeiten bilden den Kern der späteren Werkserie „Wings of a New Reality“.
Ein weiteres Artenschutzprojekt folgte 2021 und entstand erneut in Verbindung mit der Unterstützung einer internationalen Artenschutzorganisation, diesmal mit Fokus auf den Schutz der Orang-Utans auf Borneo. Dieses Thema berührt Ramsel auch aus persönlichen Gründen: Als Kind hatte sie einen großen Stofforang-Utan, den sie sich über viele Wochen hinweg mit ihrem Taschengeld zusammengespart hatte. Die letzten fehlenden Münzen legte ihr Vater damals dazu – eine Erinnerung, die für sie bis heute mit Wärme und Dankbarkeit verbunden ist. Die Bedrohung der Orang-Utans in ihrer natürlichen Umgebung wurde für sie dadurch zu einem besonders emotionalen Anliegen.
Parallel dazu entwickelte Ramsel zunehmend narrative Bildideen, darunter Arbeiten, die ursprünglich für ein Kinderhospiz gedacht waren. Obwohl dieses Vorhaben aus organisatorischen Gründen nicht realisiert werden konnte, führte es zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit erzählerischen Bildformen.
Ein weiterer entscheidender Entwicklungsschritt erfolgte ab 2023 mit dem Studium am Milan Art Institute in Florida (USA), das sie 2025 als Absolventin des Master-Graduate-Programms abschloss. Dieses Studium ermöglichte es ihr, ihre bislang eher intuitiv entstandenen Bildideen systematisch zu reflektieren und in klarere Werkzusammenhänge zu überführen.
Im Rückblick erkannte Ramsel, dass sich ihre Arbeiten in mehrere thematische Linien gliedern lassen. Die Serie „Soulgarden“ beschäftigt sich mit inneren Räumen und emotionalen Tiefenschichten des Menschen. „The Dreamer’s Magic“ greift Erinnerungen und Kindheitsbilder auf und untersucht den Raum der Imagination. „Wings of a New Reality“ thematisiert Transformation und die Entscheidung, neue Wege im Leben zu gehen. Die Serie „Ligne d’Or“ schließlich entstand aus einer intensiven Auseinandersetzung mit familiärer Herkunft, Vergänglichkeit und der Frage nach innerer Würde. Das wiederkehrende Symbol der Fleur-de-Lys steht hier für Herkunft, Aufrichtung und die Suche nach dem „inneren Gold“ des Menschen.
Diese Werkgruppen sind nicht als strikt getrennte Kapitel zu verstehen, sondern als unterschiedliche Perspektiven innerhalb einer kontinuierlichen künstlerischen Entwicklung.
In ihrer Gesamtheit lässt sich Andrea Ramsels Werk als eine künstlerische Untersuchung von Erinnerung, Transformation und innerer Würde verstehen. Ihre Bildwelten verbinden persönliche Erfahrung, symbolische Motive und erzählerische Bildräume zu einer Malerei, die individuelle Lebenswege sichtbar macht und den Betrachter einlädt, eigene Entwicklungsprozesse im Spiegel der Bilder zu reflektieren.
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Artistic Development and Bodies of Work
Andrea Ramsel’s artistic practice evolved from a deeply personal motivation: the desire to preserve beauty and make meaningful moments of life visible. When she began to engage intensively with painting in 1999, her initial focus was on capturing the world around her—particularly the early years with her young son—in visual form. The first painting of this period was a portrait of her bridal bouquet composed of Baccara roses. Even at this early stage, a theme emerges that continues to shape her work: the connection between memory, emotion, and symbolic imagery.
A formative experience occurred during a stay in Spain in 2002. There, Ramsel encountered a painting that deeply moved her. She recognized in it a narrative quality that immediately resonated with her—a story unfolding within a single pictorial space. She photographed the work and, upon returning home, began to paint her own version, even though the subject far exceeded her technical abilities at the time. This experience marked an early indication of her affinity for narrative visual worlds.
In the years that followed, she worked largely self-taught, continuously refining her skills. A decisive turning point came in 2010, when her father fell seriously ill. The sudden awareness of life’s finitude led Ramsel to reassess her artistic practice. Painting became a central medium for exploring personal questions and inner transformations.
In 2015, several works emerged that strongly reflect this biographical dimension. The painting The Last Rose—depicting the rose she had cut for her father, which accompanied him on his final journey—received its title only retrospectively, once the emotional significance of the motif had fully revealed itself. Around the same time, White Rose, inspired by a poem by Rainer Maria Rilke, was created, as well as a large-scale orange rose painted for her mother’s 80th birthday.
In the same year, she created a magnolia on a gold ground—the first work executed entirely with gold leaf. This painting marks an early step toward the symbolic and material-based visual language that would later become characteristic of her series Ligne d’Or.
In 2016, Ramsel painted the chapel at the cemetery where her father is buried, creating another work that combines personal memory with spiritual symbolism. At the same time, she engaged intensively with a developmental psychological model of human values and consciousness, based on the work of psychologist Clare W. Graves and later developed into Spiral Dynamics. Her exploration of developmental stages, value systems, and inner growth processes significantly influenced her artistic reflection and found expression in a series of more abstract stripe paintings addressing cyclical change and phases of development.
During this period, Ramsel also began to systematically deepen her technical skills. Study programs at the Web Art Academy in London enabled her to engage intensively with classical oil painting, Old Master studies, and academic drawing. Only through this technical refinement was she able to realize works such as the portrait of the Renaissance contemporary Florenz von Venningen and her own self-portrait.
The death of her father ultimately led to a further shift in the content of her work. In a phase of intensive reflection on values, Ramsel asked herself which elements she most strongly associated with him. A central aspect was their shared love of nature. This led to her first conservation-related project, through which she supported an international wildlife conservation organization dedicated to the protection of penguins. For the first time, this project connected her artistic practice with a concrete contribution to the preservation of endangered species.
From this engagement, the imagery of butterflies gradually developed, becoming a symbol of individual transformation in Ramsel’s work. In her butterfly paintings, metamorphosis is not only understood in a biological sense but also as a metaphor for the idea that each person carries their own unique form of beauty and unfolding. These works form the core of her later series Wings of a New Reality.
A second conservation project followed in 2021, again in collaboration with an international wildlife conservation organization, this time focusing on the protection of orangutans in Borneo. This subject holds a personal resonance for Ramsel: as a child, she owned a large stuffed orangutan, which she had saved up for over many weeks with her pocket money. Her father contributed the final missing coins—a memory that remains associated with warmth and gratitude to this day. The threat to orangutans in their natural habitat thus became a deeply emotional concern for her.
Parallel to this, Ramsel increasingly developed narrative pictorial ideas, including works originally intended for a children’s hospice project. Although this project could not be realized for organizational reasons, it led to a deeper engagement with narrative forms in painting.
Another significant step in her development began in 2023 with her studies at the Milan Art Institute in Florida (USA), which she completed in 2025 as a graduate of the Master Graduate Program. This period enabled her to systematically reflect on her previously intuitive ideas and to structure them into clearer bodies of work.
In retrospect, Ramsel recognized that her work can be understood through several thematic lines. The series Soulgarden explores inner spaces and emotional depths of the human experience. The Dreamer’s Magic engages with memory and childhood imagery, investigating the realm of imagination. Wings of a New Reality addresses transformation and the decision to take new paths in life. Finally, the series Ligne d’Or emerged from an intensive exploration of family heritage, transience, and the question of inner dignity. The recurring symbol of the fleur-de-lys represents origin, inner alignment, and the search for the “inner gold” of the human being.
These bodies of work are not to be understood as strictly separate chapters, but rather as different perspectives within a continuous artistic development.
Taken as a whole, Andrea Ramsel’s work can be understood as an artistic investigation of memory, transformation, and inner dignity. Her visual worlds combine personal experience, symbolic motifs, and narrative pictorial spaces into a form of painting that makes individual life paths visible and invites the viewer to reflect on their own processes of development through the lens of the work.
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